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Microjobs: Lohnt sich das überhaupt? | Scatterd

Microjobs: Lohnt sich das überhaupt?

Im Moment sind sie in aller Munde: Microjobs. Dabei handelt es sich um eine noch kleinere Form von Minijobs, die zumeist online erledigt werden oder für die man mindestens ein Smartphone benötigt. Es gibt verschiedene Konzepte, aber in der Regel funktioniert das Rahmenprinzip immer gleich: Firmen treten an die Microjobs-Website mit einen Auftrag heran. Der Auftrag an sich wird in viele kleine Puzzleteile zerlegt, von denen jedes Puzzleteil von einem User erledigt werden kann. Am Ende wird das Puzzle dann quasi wieder zusammengefügt und der Auftrag wurde erledigt. Bei den Microjobs handelt es sich meist um Transkriptions-Jobs (Übersetzung eines Videos/Audios in Textform), Kategorisierung oder Sonstiges, was nicht viel Know-How benötigt. Eines haben alle Anbieter aber gemeinsam: Man bedient sich einer Crowd, einer großen Nutzerbasis, die die Arbeit übernimmt.

Die interessanteste Frage von allen ist natürlich: Was verdient man dort eigentlich, bei diesen Microjobs? Tja, das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Deshalb stelle ich euch hier mal ein paar Dienste vor.

Zum ersten Mal aufmerksam auf Microjobs geworden bin ich durch Streetspotr. Wenn man die App Streetspotr das erste mal herunterlädt, wird man gebeten, sich anzumelden. Tut man dies, gelangt man zu einer Karte, die einen die verfügbaren Jobs anzeigt. Als ich das erste Mal die App öffnete, um nach Jobs zu schauen, schaute ich nicht schlecht: Es waren zwar eine Menge Jobs verfügbar, aber nahezu kein Job brachte Geld in meine Kasse. Im Gegenzug dazu konnte man lediglich Jobs annehmen, bei denen man quasi “Karma” sammelt. Beispielaufgaben waren zum Beispiel: Das überprüfen von WLAN-Netzwerken bei der Telekom oder das Fotografieren von irgendwelchen Taxi-Ständen oder Toilettenhäusern in deiner Stadt. What? Ich laufe also durch die Stadt und fotografiere Toiletten? Wohl gemerkt, alles ohne Verdienst, man sammelt bloß “Karma”.
Dieses Karma, hat man einmal mehr gesammelt, verschafft einem wohl die Möglichkeit, höher bzw. besser bezahlte Jobs zu ergattern. Auf gut deutsch heißt das: Du arbeitest erst einmal auf Probezeit, ohne Vergütung. Ist das was? Meiner Meinung nach nicht. Außerdem komme ich mir irgendwie doof vor, wenn ich Toilettenhäuser oder Speißekarten von Restaurants fotografiere (ja, auch Speißekarten kann man fotografieren).

workhub

Der zweite Dienst, auf den ich heute durch eine Kom­mi­li­to­nin aufmerksam geworden bin, heißt Workhub. Der Dienst erlangte wohl durch einen Galileo-Beitrag an Aufmerksamkeit. Und zwar soviel Aufmerksamkeit, das man nach Registrierung in eine Warteschlage gerät. Dort bin ich gerade, Platz 29726. Toll. Naja, was solls.
Bei Workhub erledigt man nicht wie bei StreetSpotr Jobs, wie Speisekarten fotografieren oder WLAN-Netzwerke überprüfen, sondern wohl Dinge wie Korrigieren eines Textes, Kategorisieren von Bildern oder das Beschreiben von Bildern. Der Nutzer erhält dafür ungefähr 15 Cent pro Minute, was in Workhub-Sprache 15 Credits entspricht. Ab 50 Credits kann man sich wohl sein Konto auszahlen lassen (1 Credit = 1 Cent). Rechnet man die Credits auf Stunden hoch (sofern man das tun kann), dann wäre das ein Stundenlohn von 9 Euro (0,15 * 60). Das ist doch schonmal ganz passabel und ungefähr auf 400 Euro Job Niveau.
Hat man einen Job erledigt, so wird er an das Qualitätsmanagement weiter gereicht. Die entscheiden dann, ob man die Aufgabe gut erledigt hat und somit die Credits bekommt.

Bei dem 3. Dienst, den ich euch vorstelle, handelt es sich um keinen Unbekannte. Zumindest, wenn man die Firma betrachtet, die dahinter steht: Amazon. Den Dienst kannte ich auch nicht. Auf diesen bin ich aufmerksam geworden, nachdem ich einen Artikel auf netzwertig gelesen habe. Der technische Name des ganzen Gerüstes ist allerdings etwas fisseliger: Amazon Mechanical Turk, kurz mturk. Laut Wikipedia exisitiert dieser Dienst schon seit dem 2. November 2005, also schon eine ganze Weile. Amazon hat wohl den Zahn der Zeit schon damals erkannt und ist Vorreiter was Microjobs angeht.
Die Jobs bei mturk unterscheiden sich kaum von denen auf Workhub. Bei Mechanical Turk ist es wieder die Aufgabe des Mitarbeiters, Aufgaben zu erledigen, die eine Maschine nur schwer tun kann. Konkret heißen die Jobs bei Amazon HITs – Human Intelligence Tasks. Das sind dann zum Beispiel die Übersetzung eines Videos in Textform oder die Übersetzung eines Audiofiles (z.B. von einem Interview) in Textform. Schaut man auf die Jobsearch von mturk, dann kann es für einen Job schon mal an die $40  geben. Ja, 40 Dollar! Aber: Dann musst du auch schon 1,5 Stunden an Video übersetzen und das möglicherweiße auf Englisch. Eine ganze Menge Arbeit also. Ob sich der Aufwand dafür lohnt, muss jeder selber wissen. Desweiten sind manche Aufgaben auch bloß für US-Bürger verfügbar. Ob der Dienst überhaupt in Deutschland verfügbar ist, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Benutzung also auf eigene Gefahr…

Desweiteren gibt es noch Clickworker. Clickworker funktioniert im Grunde ganz ähnlich wie die anderen 3 vorgestellten Dienste. Nachdem ich mir allerdings das Video von Clickworker angeschaut hatte, habe ich den Eindruck gehabt, dass man dort mehr auf Qualität und gute Mitarbeiter achtet, als bei anderen Dienste, aufgrund der Eingabe der Qualifikationen. Aber seht selbst:

Über die Höhe der Vergütung habe ich bisher noch nichts gefunden. Ansonsten das selbe Spiel wie den anderen Diensten.

Aufgrund des “Booms”, den diese Dienste derzeit erleben, gibt es noch zahlreiche weitere Microjob-Dienste.

Was ist jetzt davon zu halten? Zunächst einmal erscheinen Microjobs als eine schöne Möglichkeit, “im Vorbeigehen Geld zu verdienen”. Mal eben dort ein Foto gemacht, dort die Recherche erledigt, eben einen Text überflogen und zack ist die Miete bezahlt. Nein, so ist es natürlich nicht. Denn: Leben kann man von den Jobs natürlich nicht. Das sagen die Seiten aber auch teilweiße selbst. Microjobs sollen lediglich eine kleine Möglichkeit sein, sein Taschengeld ein wenig aufzubessern. Kein Wunder also, dass ich den Eindruck habe, das speziell junge Menschen auf die Dienste fliegen.

Schaut man aber etwas weiter, dann stellt man fest: So viel mit verdienen ist dort nicht. Und desweiteren muss man sich mit ein paar Sachen abfinden. Und da kommen wir zu meiner persönlichen Meinung: Ich finde es nicht fair, dass man einen Job seinerseits als gut erledigt ansehen kann und trotzdem Gefahr läuft, kein Geld zu bekommen. Denn: Nachdem man einen Job erledigt hat und tatsächlich Zeit investiert hat, kann es sein, dass die Qualitätskontrolle diesen nicht für angemessen erledigt hält. Und dann erhält man auch keine Vergütung. Konkret heißt das, dass man erst einmal für umsonst arbeitet. Das würde in sonst keiner Firma gehen. Aber korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Desweiteren arbeitet man für manche Dienste (wie z.B. StreetSpotr) erst einmal für komplett umsonst, da man sich für die höherwertigen Jobs zunächst beweisen muss und Punkte sammeln sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeitet man auch ohne Vergütung. Klar, gibt es auch Jobs, bei denen man nicht vorher viele Punkte sammeln musste, aber die sind nach meinem Eindruck rar gesät.
Ich persönlich muss also sagen, dass sich diese Dienste nach nicht wirklich lohnen: Würde man sich für diese Zeit einen 400-Euro-Job oder Studenten-Job suchen, dann würde man am Ende des Monats wahrscheinlich mehr auf dem Konto haben. Aber das ist bloß meine persönliche Meinung. Für viele sind diese Microjobs bestimmt praktisch und machen möglicherweiße ja auch noch Spaß.

Das ist aber letzlich jedermanns eigene Sache.

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  • Kommentare (2)
  1. Ich glaub du hast alle relevanten Dienste erwischt. Danke für den Beitrag.

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  2. Sehe hier die Gefahr, dass Jobs einfach ausgelagert werden, damit man keine Mitarbeiter beschäftigen muss, und jene, die die Microjobs erledigen muss man ja nicht vergüten, kann sie als “Probearbeiter” oder was auch immer einstellen, da ist es auch egal, wenn ein Microjobber unzufrieden ist (weil er nicht bezahlt wurde z.B.) der nächste kommt gleich nach.
    Rein arbeitsrechtlich, kritisch.

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