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Der Vogel wurde abgeschossen: Minister setzt Killerspiele mit Kinderpornos gleich | Scatterd

Der Vogel wurde abgeschossen: Minister setzt Killerspiele mit Kinderpornos gleich

Obwohl, darf ich das Wort abschießen in diesem Zusammenhang überhaupt benutzen? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Lassen wir es als ironisches Schmankerl einfach mal so stehen. Leider ist mir Pain mit dieser News zuvor gekommen. Aber was soll man machen, Schule ist eben Schule :)

Naja, was ich eigentlich sagen will und worauf ich heute ziemlich perplex reagiert habe: “Minister: Killerspiele auf einer Stufe mit Kinderpornos”, so heißt die Headline auf Winfuture. Eine ähnliche News findet man auch auf golem. Nach den Worten von dem bayrischen Minister Joachim Herrmann auf der Verleihung des deutschen Computerspielpreises 2009:

„Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.”

„Ich fordere die Computerspielbranche auf, den schönen Worten endlich Taten folgen zu lassen und auf Herstellung und Vertrieb von Killerspielen in Deutschland freiwillig zu verzichten.”

Bei diesen Worten bleibt einem doch echt die Spuke weg. Er sagt zudem auch, dass Killerspiele von der US-Army benutzt werden, um das Töten zu lernen. Das stimmt aber so nicht. Denn wer  meinen Blog verfolgt, dem ist dieser Artikel aufgefallen. Ich verweise dort auf Barlows Blog, der ebenfalls einen ziemlich langen Artikel über Killerspiele verfasst hat und Tatsachen widerlegt, die immer wieder behauptet werden.

Sollten Killerspiele verboten werden?

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So auch die Sache mit der US-Army. Konkret ist das aber ganz anders; ich zitiere aus Barlows Blog:

Und auch Schießübungen macht man nunmal nicht mit der Maus und dem Keyboard:

“Als Beispiel nennt er den so genannten “Multipurpose Arcade Combat Simulator”,[…]. Dabei zielen Rekruten mit einem nachgebauten M16-Gewehr auf einen Bildschirm und müssen wie auf einer Schießbahn auf Ziele feuern.”

Nochmal deutlich: Geübt wird mit einem Gewehrnachbau – nur dass die Zielscheibe keine Pappscheibe sondern ein Computerbild ist. Aber reicht denn wenigstens dieses Setup (auch wenn es kein Counter-Strike Spieler zu hause hat?), um schießen zu lernen? Klare Antwort: Nein.

Das Schießen mit scharfer Munition (“live fire”) könne der Simulator ausdrücklich nicht ersetzen, heißt es in dem Papier, genausowenig wie einen ausgebildeten Lehrer.

Aber wenigstens desensibilisiert werden sie doch, oder? Im Gegenteil, denn das Militär verwendet hauptsächlich Simulationen, zu denen Zivilisten nicht einmal Zugang haben:

“Mit Unterhaltungssoftware haben sie kaum etwas zu tun; ihr Ziel ist die nüchterne Abbildung realistischer Situationen. Eine besonders brutale Gewaltdarstellung wird dabei sogar als störend betrachtet, da das die Motivation der Soldaten mindern könnte. Vielmehr versucht Militärsoftware, auch zu Propaganda-Zwecken, den Krieg so sauber und kalkulierbar wie möglich darzustellen.”

Colonel Jack Millar, Leiter der eigens dafür gegründeten Abteilung Training and Doctrine Command Project Office of Gaming sagt übrigens über die handelsüblichen Computerspiele:

“Ich habe bisher kein für die Unterhaltungsindustrie entwickeltes Spiel gesehen, das eine Trainingslücke [bei der Armee] schließen würde.”

Auch bei der Bundeswehr derselbe Tenor auf die Frage, ob man mit einem Ego-Shooter schießen lernen kann, so ein ehemaliges Mitglied der Bundeswehr-Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK):

“Niemals werden Simulationen das Live-Schießen ersetzen können. Aber sie können es ergänzen.” Deshalb sei er auch in einem so genannten Schießhaus ausgebildet worden, wo sie zwar mit Hilfe von auf Leinwände projizierten Filmen Szenen nachspielten, aber ausschließlich mit echten Waffen schossen. Und auch hier sei es nicht nur ums Zielen gegangen, sondern auch um Handlungsabläufe vor dem Schusswechsel, wie das Ansprechen eines Gegners oder das Reagieren auf sich schnell ändernde Situationen.

(Alle Zitate aus diesem Abschnitt stammen aus einem Bericht der Gamestar 04/2008)

Um es noch einmal zusammenzufassen: Die US-Armee benutzt Egoshooter nicht zum desensibilisieren und nicht zum lernen des Umgangs mit Waffen – mehr noch: Alle gefragten Experten bescheinigen Spielen die Unfähigkeit, auf diesem Gebiet hilfreich zu sein.

Das Argument ist also völlig falsch wiedergegeben!

Ich kann nur dazu plädieren euch über das Thema Videospiele selbst zu informieren und euch nicht von den flügellosen Worten so mancher Politiker instrumentalisieren zu lassen. Sie labern nur Bullshit!

Ich jedenfalls werde mir bei der Wahl nochmal genau überlegen, wen ich wähle. So fangen die Politiker bei mir aber keine Stimme!

Entschuldigung, aber ich lasse mich nicht mit einem Kinderschänder gleichsetzen. Das ist unter meiner Würde! Ein solcher Vergleich zeigt nur die Unfähigkeit manches Politikers sachlich über dieses Thema zu berichten. Hätte der Herr Herrmann das getan, würde er anderer Meinung sein. Aber wahrscheinlich will er gar nicht anderer Meinung sein.

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