DVB-T wird abgeschaltet – Warum ich es nicht einsehe, für DVB-T2 zu zahlen

Vorhang auf für DVB-T2! Oder doch lieber Vorhang zu? Das neue Antennenfernsehen vom grünen freenet.tv ist da! Und alle sollten Grund zum Jubeln haben, denn technisch ist DVB-T2 im Prinzip eine super Geschichte: Schließlich ist es nun möglich, durch einfaches Aufstellen einer Zimmerantenne Programme im nativen (!) HD zu empfangen und dazu Dolby Digital Surround Sound zu hören. Alles bloß mit Antenne, keine schnöde Satellitenschüssel und allerhand Kabel. Ist doch toll, oder?

Der fade Beigeschmack entsteht, wenn man sich vor Augen führt, dass das Ansehen von den Privatsendern (z.B. RTL oder Prosieben) nicht ohne weitere finanzielle Aufwendungen verbunden ist. So entstand nun, ähnlich wie beim Senderverbund HD+ beim Satellitenfernsehen DVB-S(2), mit freenet.tv ein Bund von Privatsendern, welche nur durch Zahlung einer monatlichen Gebühr empfangbar ist. Diese beträgt zur Zeit wohl 5,75 Euro im Monat. Klar, sonderlich viel Geld ist das nicht. Andererseits sehe ich nicht ein, neben der GEZ-Abgabe auch noch für Pay-TV zu zahlen, obwohl das Programm ohnehin auch schon durch Werbung finanziert wird. Ich zahle also für das Programm – und dann werde ich auch noch mit Werbung gestört? Nö, sehe ich nicht ein. Jedenfalls nicht in dem Maße, wie ich es auch den SD-Zeiten kenne. Ich kann mich da an so manche Dauerwerbesendung erinnern. Die Kosten für das Modul selber (über 70 Euro derzeit!) kommen ja nochmal einmalig hinzu.

Zudem: HD ist heutzutage doch überhaupt nichts besonderes mehr. Amazon und Netflix produzieren teilweise schon in 4K und HDR. Und für HD soll ich dann nochmal über 5 Euro zahlen? HD sollte mittlerweile Standard sein! HD ist kein Premium- oder Plusprodukt für mich, sondern mittlerweile gehört es zu meiner Mindesterwartung. HD-Auflösung ist für mich kein Verkaufsargument für Pay-TV mehr.

Von den technischen Aspekten mal ganz abgesehen: Bringt das lineare Fernsehen inhaltlich noch Vorteile? Reizvoll erscheinen für mich nur noch die Sportübertragungen, also Formel 1, Boxen oder auch jetzt die Fussballqualifikationsspiele (verdammt, die hat sich RTL ja geschnappt!). Ansonsten? Big Bang Theory muss ich nicht bei Prosieben anschauen, das kann ich auch bei Amazon Prime – ohne Werbung und solange ich möchte. Joko und Klaas hören auf und Stefan Raab oder Harald Schmidt sind sowieso schon weg. Mal davon abgesehen, dass das meiste nach der Ausstrahlung auch online abrufbar ist. Und Teenie-Mütter oder Blaulicht Report? Ich lach mich kaputt, wer guckt das überhaupt? Inhaltliche wird die Luft also arg dünn…

Was gibt’s noch? Achja, Restriktionen! Wir fassen nochmal zusammen: Ich zahle eine monatliche Pauschale und ich gucke Werbung. Und ich bin an die Zeiten der Ausstrahlung gebunden. Aber ist ja kein Problem, Aufnahme programmiert, zack, fertig. Jedoch: freenet.tv ermöglicht es den Sendern, Restriktionen einzurichten. Ist doch toll! Für den Sender. Denkbar wären hier natürlich viele Sachen: Ein „Verfallsdatum“ der Aufnahmen zum Beispiel. Und glaubt man Rezensionen von Amazon, dann ist das tatsächlich der Fall. Und zwar nicht nach 24 Stunden oder gar 7 Tagen. Nö. 90 Minuten sind die Aufnahmen gültig, bevor diese nicht mehr abspielbar sind. Super! Damit ist auch eine Timeshiftoption des Receivers quasi für die Katz. Die verlinkte Rezensionen ist allerdings von Juni 2016. Vielleicht hat sich da ja auch was getan (allerdings sprechen auch neuere Rezensionen von 90 Minuten). Sagen muss man dazu auch: freenet.tv selber kann im Prinzip nichts dafür. Für die Restriktionen sind die Sender verantwortlich. Ich könnte mir vorstellen, dass sich freenet.tv bei der Entwicklung der Plattform gezwungen sah, eine solche Option für die Sender einzubauen, damit diese vom Konzept überzeugt werden konnten und an Bord kamen. Doch auf der anderen Seite nützen dem Kunden solche besänftigenden Erklärungsversuche leider gar nichts.

Falls man dennoch unbedingt private Sender gucken möchte, dann werden derzeit auch die zahlreichen Streamingangebote (Zattoo z.B.) attraktiver. Eine schnelle Internetleitung vorausgesetzt, hat man auch hier die Möglichkeit, Prosieben & Co. anzuschauen. Ich muss allerdings sagen, dass mich leider das Programm der Privaten nicht mehr überzeugt. Da bleibe ich lieber bei Netflix und Amazon Prime Video. Außerdem bin ich dann auch nicht an die Ausstrahlung gebunden. Nein freenet.tv, sorry, aber ich bin raus.

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