AMD Ryzen – Der Heilsbringer?

Vor einigen Wochen präsentierte AMD nun endlich die Prozessorserie, die Intel wieder Paroli bieten soll. Erst unter dem Codenamen AMD Zen entwickelt, soll AMD Ryzen nun endlich wieder den Wettkampf im CPU-Markt entfachen, den alle sehnsüchtig erwarten. Denn: Gab es vor einigen Jahren zumindest noch ein wenig Konkurrenzkampf zwischen der „Mainstream“-Marke Intel und dem kleineren „Nerd“-Entwickler AMD, so ist es derzeit leider so, dass Intel unter Alleinherrschaft den CPU-Markt beherrscht und die Preise quasi diktieren kann. Da wundert es doch ein wenig, dass AMD mit dem zukünftigen Top-Modell AMD Ryzen 7 1800X in bisher veröffentlichten Benchmarks mindestens genauso schnell ist, wie der Core i7-6900K von Intel. Und dabei kostet die AMD-CPU knapp die Hälfte. Wundert das wen?

Zumindest mich freut das tierisch. Eine Intel-CPU habe ich bisher noch nicht verbaut gehabt. Mein vorheriger Rechner besaß einen Athlon 64 3200+ und in meinem derzeitigen Rechner arbeitet tatsächlich noch ein AMD Phenom II X4 920 (tatsächlich 45 nm Fertigungsprozess!). Aber der macht seit knapp 8 Jahren seinen Job und ich bin zufrieden! Eigentlich spiele ich schon lange mit dem Gedanken, mir mit neuen Komponenten endlich einen neuen Rechner zusammen zu setzen. Allerdings bin ich dafür mittlerweile fast zu geizig und da ich in den letzten Jahren sowieso nicht mehr viel gezockt habe, sondern vielmehr den Computer als Arbeitsgerät für Bachelorarbeit, Seminararbeiten und zuletzt Masterarbeit genutzt habe, verspürte ich nicht wirklich den Drang Geld für neue Komponenten auszugeben. Zudem haben die AMD-Plattformen seit der Phenom II-Serie nicht die Leistung gebracht, die ich mir erhofft habe. Und einen Intel-Prozessor wollte ich dann doch nicht so gerne haben. Da bin ich doch zu sehr Sympathisant (fast Fanboy) von dem Underdog AMD. Aber mit AMD Ryzen juckt es mir doch wirklich in den Fingern. AMD, die Alternative mit der besseren Preis-Leistung. Die Marke für Computerspieler, für Enthusiasten, für Menschen, welche fasziniert an Hardware sind und sich einen Tick besser auskennen, um die Vorteile eines Underdogproduzenten wie AMD zu erkennen. Wie früher. Wie cool wäre eine starke Rückkehr von AMD bitte?

Nun möchte ich mal hoffen, dass AMD die Preise nicht zu niedrig angesetzt hat. Denn knapp 550 Euro für das Topmodell Ryzen 7 1800X klingen im ersten Atemzug für Ahnungslose zwar recht viel. In Anbetracht des direkten Konkurrenten von Intel, welcher knapp 1100 Euro kostet, erscheint der Preis der AMD-CPU doch regelrecht als unausweichlicher Schnapper. Nun gibt es natürlich 2 Erklärungsansätze: 1. Intels CPU ist zu überteuert (ob nun aus Gründen eines ineffizienten Fertigungsprozesses oder aufgrund einer sehr großen Gewinnmarge sei mal dahingestellt) oder 2. AMDs Ryzen CPUs sind zu günstig. Ich möchte mal hoffen, dass AMD dennoch mit ihren Produkten eine gewisse Marge einkalkuliert hat. Denn der Hersteller kann eine Portion Gewinn nach den vergangenen Jahren sicherlich gut gebrauchen, um einerseits finanzielle Mittel für zukünftige Entwicklungen zu haben, andererseits jedoch auch, um die finanziellen Rücklagen zu stärken. Dennoch steckt hinter den günstigen Preisen meiner Meinung nach auch die Strategie, mit günstigen Preisen zurück auf den Markt zu finden und im Wettbewerb wieder stattzufinden. Denn: Auch wenn die oben dargelegte Vision einer Nerdmarke AMD, welche bloß ein Nischendasein fristet, in den Augen eines Enthusiasten und Fanboys als cool erscheint, so ist es dennoch natürlich das Ziel, eine hohe Marktdurchdringung zu erreichen. Nur mit Fanboys erreicht man die leider nicht. Soll mich auch nicht weiter stören.

Doch woran hat es eigentlich gelegen, dass AMD in den letzten Jahren so viele Marktanteile verloren hat, nun aber mit Zen/Ryzen wieder nach vorne prescht? Schaut man in die Personalien von AMD, so ist dort inbesondere ein Mann zu finden, welcher aufgrund seines Posten als Chefentwickler sicherlich einen hohen Beitrag hat. Der gute Mann heißt Jim Keller und kehrte 2012 für die Entwicklung einer neuen Architektur (nun als Ryzen bekannt) zurück zu AMD. Auch bei der Entwicklung der Athlon 64 war Jim Keller beteiligt. Gerade also die Zeiten, in welchen AMD noch mit Intel konkurriert hat. Es erweckt den Eindruck, als ob Jim Keller unfassbares Know-How mitbringt, welches nun allerdings nicht mehr vorhanden ist. Keller verließ AMD und arbeitet nun bei Tesla. Schade. Bleibt nun zu hoffen, dass AMD zukünftig innovativ bleibt. AMD go for it!

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