Ach, so ist das: Killerspiele sind verantwortlich für Missbrauch auf Ameland

Gerade bei SpOn gelesen. Die bayrische Justizministerin Beate Merk, ihres Zeichens – wie könnte es in Bayern anders sein – Mitglied der CSU, hat ihre fachmännische fachfräuliche Analyse (schwarzer Humor ist extra, bäh!) zu den Vorfällen auf Ameland der Welt kund getan. Ihrer Meinung nach sind für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Teenager nicht etwa die fehlende Aufsicht Schuld, sondern die FDP (im Grunde genommen der Koalitionspartner) und, ach was haben wir sie lange nicht im „Spiel“ gehabt, die Killerspiele. Für die intellektuellen unter uns: Ego-Shooter.

Es ist doch wirklich amüsant, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Politiker erlogene Tatsachen in die Medien brüllen und dann noch als wahr dahin stellen, nur damit sie selber gut da stehen. Ich habe mit der Zeit ein paar Abwehrmechanismen für solchen Unsinn entdeckt: Weghören oder einfach nur lachen. In diesem Artikel werde ich lachen.

Blicken wir mal auf den ersten Teil der Schuldzuweisungen: Die FDP ist schuld. Durch den laschen Umgang mit Kinderpornografie im Netz habe die Partei zu den schrecklichen Vorfällen beigetragen. Sperren statt löschen sollte man überall dort, wo man nicht mal eben was löschen kann. „Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.“. Achso? Dann zeigen sie mir bitte mal, Frau Merk, wo es nicht gelingt, KiPo von den Servern zu löschen. Ein vergleichbares Beispiel sind Pishingseiten, also Seiten, die bewusst so aussehen wie Bankseiten, damit leichtgläubige Bürger dort ihre PIN’s und TAN’s lassen. Pishingseiten werden von den Banken innerhalb weniger Stunden offline genommen. Warum sollte das nicht bei KiPo funktionieren, einem Thema, das viel entsetzlicher ist?

Aber jetzt mal zu den Killerspielen, die Zensurgeschichte haben wir oft genug durchgekaut und hat so manchem Politiker das Image gekostet. Merk sagt, Killerspiele gehören verboten. Wie mans auch immer von der CSU-Fraktion hört. Im Prinzip ist das ganze Computergedöns doch auch nur Hokus-Pokus und das Internet ein ganz böses Teufelszeug. Weg damit! Aber nun will ich Sie mal was fragen: Nennen Sie mir ein „Killerspiel“, in dem ein Mensch sexuell missbraucht wird. Nanu? Keines auf Lager? Schade.

Das einzig löbliche an der ganzen Geschichte ist, dass wenigstens die Medien aufgepasst haben und nicht den Politikern alles leichtgesonnen glauben. SpOn schreibt wirklich sehr schön kritisch, warum die Forderung der guten Frau Merk totaler Quatsch sind. Na wenigstens ein Gutes hat die ganze Sache.

[Bild: MrTopf: Quelle]

3 Gedanken zu „Ach, so ist das: Killerspiele sind verantwortlich für Missbrauch auf Ameland“

  1. Ich finde es nicht gut, dass du hier die zerstörung unserer perfekten Gesellschaft durch brutale und niederträchtige Killerspiele wie z.B. Counterstrike verharmlost.

    Wenn die wahre brutalität dieser Spiele erstmal ans Licht kommen würden und auch dem, dem es am wichtigsten ist – dem Spieler-, klar werden kann unsere perfekte Gesellschaft weiter so existieren.

    Naja, ironie macht auch nicht mehr so viel Spaß wie früher. Ich glaube ich stimme in dein Gelächter mit ein 😀

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