World of Warcraft ist ein Killerspiel!

shoot 'em up - killerspiel
Image by cgre via Flickr

Direkt neben dem Stuttgarter Landtag haben sie einen Container aufgestellt. Sie sammeln Killerspiele wie “World of Warcraft”, “CounterStrike”, “Call of Duty”. Spiele, bei denen die Fetzen fliegen – Menschenfetzen, immer realistischer in der Darstellung. Man kann sie beim Aktionsbündnis abgeben, damit sie vernichtet werden.“

Das ist der O-Ton von einer Reportage bzw. einer Dokumentation über den schrecklichen Amoklauf von Winnenden, die vorgestern Abend um 21 Uhr in der ARD lief. Und es ist wiedermal ein gutes Beispiel für schlampigen Journalismus und Gamerhetze. Denn, hätten sich die Leute von der ARD mal richtig informiert, dann wüssten sie, dass bei World of Warcraft nicht die Fetzen fliegen. Auch, wenn man von Mr. T’s Werbung darauf schließen könnte. Dem ist nicht so. Liebe ARD-Schreiberlinge: Bei WoW (die freakige Abkürzung haben die Gamer World of Warcraft gegeben) handelt es sich um ein Online-Fantasy-Rollenspiel im Comiclook. Fantasy, Comic! Menschen haben dort nur sehr wenig zu suchen. Und realistisch ist ein Comic doch wohl nicht wirklich, oder? Sonst hätten meine Lieblinge der Warner Bros. -Schmiede schon längst die Häuser runterfallen müssen und das Meep, Meep-Vieh hätte schon längst geblitzt werden müssen.
Mal davon abgesehen gibt es auch weder in CounterStrike noch in Call of Duty zerfetzte Menschen. Aber die Sache geht noch weiter.

So wird gegen Ende behauptet, dass die U.S. Army Ego-Shooter einsetzt, um die Hemmschwelle der Soldaten herabzusetzen. Das sei eindeutig bewiesen worden und somit überhaupt nicht in Frage zu stellen. Zudem wird behauptet, dass Spieler, die viel spielen, auch aggressivere Spiele spielen.
Wie ihr euch denken könnt, ist das beides völliger Unfug. Fangen wir mit der letzten Behauptung mal an. Menschen, die viel spielen, sollen vorwiegend aggressive Spiele spielen. Das kann ich mir so nicht vorstellen. Was ist mit Sportspielen, Strategie- oder Rollenspielen? Nehmen wir mal Anno als Beispiel. Bei diesem Spiel ist eine Runde länger als bei einem Ego-Shooter, bei dem die Runden meist nur 5 Minuten dauern. Klar gibt es auch längerer Runden. In der Regel ist das aber nicht so. Bei Anno, einem Aufbauspiel, kann der Aufbau einer Stadt schon mal mehrere Tage dauern.
Kommen wir zu dem berühmten U.S. Army Argument, was immer gern genommen wird. Angeblich soll die Army Spiele einsetzen, um die Hemmschwelle herab zusetzen. Das ist schlichtweg völliger Unfug. Erstens Mal trainiert die Army das Schießen immer noch an realen Schießständen, da sie herausgefunden haben, dass es immer noch ein Unterschied ist, ob man real oder virtuell schießt (ja, ein normaler Mensch kann dazwischen unterscheiden!). Und zweitens gibt es weder Studien, die für eine Herabsetzung der Hemmschwelle sprechen, noch welche, die dagegen plädieren. Ein Auszug auf gamestudies:

Zusammengefasst sei hier festgestellt, dass die derzeit im Umlauf befindlichen Aussagen zur Reduktion der Tötungshemmung auf Arbeiten basieren, die einer üblichen wissenschaftlichen Kritik in keiner Weise standhalten können. Hier werden Militärsimulationen mit Computerspielen in einen Topf geworfen und Korrelationen kausale Zusammenhänge zugestanden, die teilweise an der Haaren herbeigezogen sind. Es handelt es sich hierbei ganz klar um einen Mythos auf Basis der Medieninkompetenz seiner Verbreiter.

Ihr seht also: Bei dem ARD-Bericht handelte es sich um übliche Hetze gegen Computerspiele. Solche, die wir schon seit Monaten hören. Wer sich den Bericht angucken will, der kann das hier tun (ab Minute 35 beginnt das Grauen).

[via StigmaVideospiele]

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4 Gedanken zu „World of Warcraft ist ein Killerspiel!“

  1. „Nehmen wir mal Anno als Beispiel. Bei diesem Spiel ist eine Runde kürzer als bei einem Ego-Shooter, bei dem die Runden meist nur 5 Minuten dauern. […] Bei Anno, einem Aufbauspiel, kann der Aufbau einer Stadt schon mal mehrere Tage dauern.“

    Merkste was? ^^

    Aber guter Artikel. 🙂

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