Ich falle fast vom Glauben ab… (Beckstein und die Killerspiele)

So meinte unser geliebter Günther Beckstein doch in einem Vortrag vor Seniorenpublikum:

Das Spiel Counter-Strike wurde von der US-Army entwickelt, um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen. Derartige Spiele gehören nicht nur zensiert, sondern verboten!

Mit platzt bald echt der Kragen. Zum einen wäre an diesem Zitat zu bemängeln (und es gibt Einiges zu bemängeln), dass Counter-Strike -oder wie von uns Computer Freaks Chakas kurz CS genannt- keineswegs von der US-Army entwickelt wurde. Nein, das Spiel wurde von Valve entwickelt, die in keinerlei Kontakt zu der Army stehen (behaupte ich jetzt einfach mal). Mich würde mal interessieren, was Valve selbst dazu sagt… Nein, unser Becki meinte wahrscheinlich das Spiel Americas Army. Dieses Spiel wurde in der Tat von der Army entwickelt. Aber…

Das Spiel wurde keineswegs dafür entwickelt, um die Hemmschwelle der Soldaten herabzusetzen. Reden wir mal Klartext:

Das Spiel wurde von der US-Army entwickelt, um Rekruden für die Berufsarmee Amerikas zu gewinnen. Die erfolgreichsten Spieler werden von der Army per Mail angeschrieben. Dass es dabei keineswegs um die Herabsetzung der Gewaltschwelle geht, sollte jedem klar sein, wenn man hört, dass Amerika eine Berufsarmee hat und auf die freiwillige Unterstützung der Menschen in Amerika angewiesen ist. Es herrscht kein System wie in Deutschland, wo man sich im Übrigen nur durch eine 2 seitige Argumentation gegen den Dienst an der Waffe freisprechen kann. Man muss sich also rechtfertigen, warum man nicht den realen Umgang mit einer Waffe lernen will. Und dann virtuelles Schießen verbieten? Wenn man das Modell der Musterung mal auf die Computerspiele übertragen würde, dann müsste man sich doch durch einen seitenlangen Aufsatz rechtfertigen, warum man derartige Spiele eben nicht spielen möchte. Und nicht umgekehrt. Aber das ist ein wirrer Gedanke, geb ich zu.

Jetzt werden andere vielleicht denken: OK, die Army schreibt diejenigen an, die am besten schießen können. Dem ist nicht so. Amerikas Army ist ein Taktik-Shooter. Es stehen also viele mentale Fähigkeiten im Vordergrund wie z.B. der Planung von Einsätzen, damit man am Ende als Sieger vom Platz geht. Diese Menschen braucht die Army. Und keine gehirnlosen Waffendrücker. Die gibt es schon genug und sind nicht schwer zu finden. Nein, gesucht werden Denker.

Das Spiel ist also nicht zur Gewaltverherrlichung entwickelt worden. Auch wenn man denkt, das Spiele würde intern für die Soldaten eingesetzt werden, den muss man leider enttäuschen. Die Army trainiert nicht den Gebrauch der Waffe virtuell. Der Meinung der Army zufolge setzen die Computerspiele die Hemmschwelle nämlich keineswegs herab. Es ist immer noch ein Unterschied, ob man mit einer realen Waffe auf einen Menschen schießt, oder das virtuell tut. In einer realen Situation braucht man viel mehr Überwindung, da die Ausführung tatsächlich reale Folgen hat, im Gegensatz zum Computerspiel. Dieser Punkt sollte jedem Menschen klar und deutlich vor Augen liegen (und zu den Menschen zähle ich auch die Politiker!).

Der geehrte Herr Beckstein sollte sich beim nächstem Mal bitte besser informieren und seinem Publikum keine Märchen erzählen. Auch wenn er sich damit rechtfertigen würde, dass es ein Versprecher war: Selbst wenn dem so wäre, wäre das Zitat eine Schandtat. Eben genau aus den oben genannten Gründen.

Peace.

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