5 Fragen an die CC-Band Shearer – Hat Creative Commons Zukunft?

Creative Commons ist im Moment in aller Munde. Dazu hat nicht zuletzt die Piratenpartei und ihre Forderung zur Reformierung des Urheberrechts beigetragen. Viele Künstler sehen sich durch die Forderung der Piratenpartei in ihrer Existenz bedroht und viele Wähler fragen sich: Wovon soll der Künstler denn dann überhaupt leben?

Shearer

Hat das Creative Commons Modell denn überhaupt Zukunft? Mir war klar, dass das nur jemand beantworten kann, der in der Szene involviert ist. Aus diesem Grund habe ich keinen geringeren als die (CC-) Band Shearer (einer meiner Lieblingsbands übrigens!) gefragt.

1. Wie seid ihr auf die Idee, eure Musik kostenfrei im Internet zu verbreiten, gekommen?

Die Idee dazu war mehr oder weniger aus der Not geboren. Und zwar haben wir 2005, nachdem wir unser Album Makin-A-Munson aufgenommen hatten, lange nach einem Label gesucht, das willig war, Geld in uns zu investieren. Aber wie das bei den meisten unbekannten Bands so ist, waren wir etwas naiv in dem Glauben, dass das Leben so einfach wäre. Ungefähr zur selben Zeit fing unser Bassist Andi dann an, seine Diplomarbeit über das Thema Filesharing zu schreiben (Der geneigte Leser kann sich im Netz gerne auf die Suche nach „Filesharing is inevitable“ machen). Und so kam eins zum anderen. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und bereuen die Entscheidung, unsere Musik unter freie Lizenzen zu stellen, bis heute nicht.

2. Wollt ihr weiterhin eure Musik kostenfrei anbieten und welche Rolle spielt das Internet dabei?

Natürlich wird es unsere Musik weiterhin kostenlos geben. Wir glauben alle daran, dass Audioaufnahmen für den privaten Gebrauch grundsätzlich kostenfrei sein sollten. Und das Internet ist dafür der „Enabler“. Und zwar gehen im Internetdie Grenzkosten für die Verbreitung von Inhalten, ähnlich wie im Rundfunk, gegen null. D.h., wir haben gewisse initiale Kosten (Songs aufnehmen und mischen, Cover erstellen, etc) und je mehr Personen dann unsere Musik saugen, desto weniger Kosten haben wir pro Download.
Anders als im Rundfunk ermnöglicht das Internet aber einen diskriminationsfreien Zugang nicht nur für die Konsumenten sondern auch für die Produzenten. Niemand muss heutzutage mehr bei einem finanzstarken Label unterkommen, um mit seiner Musik Millionen von Menschen erreichen zu können. Natürlich ist Kapital weiterhin ein wichtiger Erfolgsfaktor (Marketingkosten sind nicht zu unterschätzen) – trotzdem sind die Aussichten für kleine Künstler heutzutage besser denn je. Denn die/wir haben ja nicht das Problem, dass uns die ganze Welt „raubkopiert“. Vielmehr müssen wir dafür sorgen, dass wir überhaupt wahrgenommen werden. Und dafür sind kostenfreie Downloads ein sehr gutes Mittel.
Mal ganz abgesehen davon, dass sie eine gleichberechtigte kulturelle Teilhabe Aller ermöglichen.

3. Meint ihr, dass dieses Prinzip der Creative Commons Zukunft hat?

Das Prinzip ist auf jeden Fall das Richtige. Als allerwichtigsten Punkt legalisiert es die Privatkopie ohne wenn und aber. Gleichzeitig hat der Künstler aber noch genug Mittel, um über die Verwendung seiner Werke zu bestimmen. Wir sind der Meinung, dass Creative Commons einen fairen Interessensausgleich zwischen Urhebern und Konsumenten schaffen und sich  langfristig durchsetzen werden, wenn die derzeitige Urheberrechtslage sich nicht verbessert. Das Internet hat nun mal Fakten geschaffen. Und die kann man nun akzeptieren und zu seinem Vorteil nutzen oder man kann versuchen, das Ganze mittels Kontrolle (Kopierschutz, DRM, Kriminalisierung und Verfolgung von Tauschbörsennutzern) in den Griff zu kriegen. Ich glaube, du ahnst schon, welche Option wir für sinnvoller halten… 😉

4. Reichen als CC-Band die Einnahmen, um sich mit der Musik den Lebensunterhalt zu verdienen?

Ob die Einnahmen reichen oder nicht, hat nicht unbedingt etwas mit CC oder nicht zu tun. Für Trent Reznor (aka den Nine Inch Nails), dessen CC-Album Ghost letztes Jahr das meistverkaufte Album auf Amazon war, reichen die Einnahmen sicherlich. Für uns kleine Band, die komplett alles alleine macht und kein Label o.ä. im Rücken hat, reicht es derzeit nicht. So geht es doch den meisten Bands, egal ob CC oder nicht. Auch vor CC konnte nur ein ganz kleiner Teil davon leben. Man bekommt zwar mehr von den Top-Stars mit, aber die unbekannten Musiker sind doch klar in der Mehrheit. Das wird sich auch mit CC nicht grundlegend ändern. Der Anspruch „ein Künstler muss doch von seiner Arbeit leben können“ ist in unseren Augen auch völlig utopisch und höchstens mit einem Grundeinkommen zu verwirklichen.
Trotzdem wollen wir nochmal betonen, dass es für uns so definitiv besser läuft als wenn wir den klassischen Weg gegangen wären. Wir erreichen viel mehr Leute, die alle potentielle Käufer / Spender / Konzertbesucher sind und kriegen Öffentlichkeit in aller Welt. Gerade vcor ein paar Wochen haben wir z.B. ein Fernsehinterview für TV Tokyo gegeben. Piratenpartei und CC sei Dank.

5. Was tut ihr neben eurer Musik noch, um das Creative Commons Konzept zu fördern? Sucht Ihr den Kontakt zu anderen CC-Bands?

Wir hatten mal überlegt, ob wir nicht eine Art Gütesiegel für unabhängige Künstler aus dem Boden stampfen. Das sollte ähnlich wie CC funktionieren, also eine Webseite mit nem Lizenztext und wer das Siegel benutzt, der hätte rechtlich verpflichtend bestätigt, dass er direkt von allen Einnahmen profitiert, also nicht in irgendwelchen Knebelverträgen hängt. Wir sind jedoch Musiker und keine Juristen und Zeit haben wir neben unseren 40h Jobs und der Musik auch keine mehr. Also wenn sich jemand der Idee annehmen will, immer los – nur der Name „Fair Music“ ist leider schon vergeben – aber [bei der Initiative] scheint nix mehr los zu sein, also kann man mit denen vielleicht auch mal reden.
Ansonsten haben wir fast gar keinen Kontakt zu CC-Bands. Im Rockbereich hat sich die Idee der freien Downloads (vielleicht auch wegen der höheren Produktkosten) noch nicht so durchgesetzt wie beispielsweise im Electronic-Bereich. Vor ein paar Wochen sollten wir in Hamburg auf einer CC-Party spielen – nur hatte sich unser Drummer kurz vorher einen Zeh halb abgerissen, so dass wir krankheitsbedingt absagen mussten. Diesen Samstag spielen wir in Frankfurt am Main auf einer Veranstaltung der JuPis (= Junge Piraten. Tolle Abkürzung!). Vielleicht können wir da endlich mal ein paar Kontakte knüpfen. Praktisch wäre es ja, von wegen komplett GEMA-freie Konzerte mit mehreren Bands usw usf.

Vielen Dank an die Band Shearer, dass sie sich die Zeit genommen hat, die Fragen zu beantworten. Ich finde eure Musik klasse und werde euch weiterhin unterstützen. 🙂

Bis zu dem neuen Album (was hoffentlich bald erscheint!) können sich meine Leser mit dem Album Makin-A-Munson begnügen:

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